Dienstag, 03 Juni 2003 | 43.23.154

Kollateralschaeden der politischen Fuehrung

Der Chef der Wirtschaftsweisen, Professor Wolfgang Wiegand, weist darauf hin, dass Streiks Arbeitsplaetze kosten, z.B. die der IG Metall zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland,

und zieht daraus die Schlussfolgerung, dass die IG Metall also de facto fuer (hoehere) Arbeitslosigkeit streikt;

so richtig das auf den ersten Blick bzw. auf der einen Seite ist, ganz abgesehen davon, dass das eine fuer einen Wissenschaftler durchaus logische Konsequenz ist,

so sehr ist das auf der anderen Seite eben nur die halbe Wahrheit, die sich erfahrungsgemaess aber leider voll und ganz, also zu 100 Prozent aus dem Zusammenhang reissen und missbrauchen laesst;

in ihrem Kern richten sich die Streiks natuerlich nicht gegen Beschaeftigung bzw. Beschaeftigte ...,

sondern gegen die Defizite, Unterlassungen, Versaeumnisse ... der politischen Fuehrung, d.h. dagegen, dass Politik fuer Beschaeftigung bzw. Beschaeftigte, fuer Unternehmung bzw. Unternehmer, eben fuer Wirtschaft ... im eigentlichen Sinne nicht stattfindet,

die Streiks sind also in ihrem Kern ein Aufschrei, und zwar nicht nur wegen unterlassener 'Hilfe'-Leistung,

sondern wegen der Unterlassung, wegen praktisch vorsaetzlicher Verweigerung der Hauptleistung dieses verfassungsmaessigen Vertrages zwischen der Gesellschaft bzw. dem Volk und der politischen Fuehrung;

m.a.W.: es ist eine ebenso groteske wie grausige Tatsache, dass unsere politische Fuehrung unentwegt und voellig unbekuemmert kokettiert

mit ihrer Unfaehigkeit und Unwilligkeit, verfassungsgemaess, demokratisch und professionell Politik zu machen,

und die Defizite und Misserfolge in Bezug auf den fehlenden Auftrieb und Aufschwung in der Wirtschaft bzw. auf dem Arbeitsmarkt

bzw. das, was sowohl Unternehmer als auch Arbeitnehmer an materiellen wie auch immateriellen Schaeden erfahren und erleiden,

gewissermassen als unvermeidliche Kollateralschaeden ansieht und darstellen bzw. dem Volk verkaufen will.


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